Öffnungszeiten

April bis Oktober:
Montag - Sonntag 10 - 17.30 Uhr

November bis März:
Dienstag - Sonntag 10 - 16.30 Uhr

Geschlossen:
24. Dezember

Eintrittspreise

Tageskarten

Erwachsene: 3,50 Euro
ermäßigt: 2,00 Euro
Familien: 7,00 Euro
Kinder unter 6 Jahre: frei

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Kontakt & Anfahrt

Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden
Kastanienallee
19406 Groß Raden

Telefon: 03847 - 2252

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Groß Raden: Tempel bald ohne Dach

Gab es im 10. Jahrhundert schon Dachrinnen aus Zink? Nein, ganz sicher nicht… Aber als der Tempel, dessen Grundriss bei den Ausgrabungen in Groß Raden entdeckt worden war, in den 1980er Jahren nachgebaut wurde, brauchte man ein Gebäude auf dem Freigelände, in dem sich auch größere Besuchergruppen bei Regen unterstellen konnten (Abb. 1). Deshalb erhielt der Tempel ein Dach, obwohl es archäologisch nicht nachgewiesen war. Das Problem, dass das vom Dach kommende Wasser hinter der Fassade abgeleitet werden musste, löste man mit einer Zinkdachrinne (Abb. 2).

Inzwischen gibt es ein festes Gebäude am Eingang zum Freigelände, in dem sich Besucher bei plötzlichen Regengüssen unterstellen können, und ein Tunneltor, das ebenfalls Schutz bietet. Außerdem hat das in den 1980er Jahren errichtete Tempeldach seine maximale Nutzungsdauer erreicht. So ist es nur konsequent, dass das Dach in den kommenden Wochen ersatzlos abgetragen wird (Abb. 3). Danach wird das Aussehen des Tempels dem Ergebnis der Ausgrabungen entsprechen: Eine Grundfläche von etwa 7 x 11 m ist durch eine doppelte Stabbohlenwand eingehegt. Während die inneren Bohlen aus einfachen Spalthölzern bestehen, sind die äußeren Bohlen als stark stilisierte Silhouetten in Menschengestalt geformt.

  • Abb. 1: Der Nachbau des Tempels in seinem bisherigen Zustand. Foto: LAKD M-V/LA, 2008.
  • Abb. 2: Die "versteckte" Zinkdachrinne. Foto: LAKD M-V/LA
  • Abb. 3: Der Nachbau des Tempels in seinem künftigen Zustand – ohne Dach. Foto (bearbeitet): LAKD M-V/LA

Welche Rolle spielten aber die beiden besonders langen Bohlen mit kopfförmigen Enden, die bis jetzt als Firstständer der Dachkonstruktion dienten?

Entscheidende Hinweise dazu liefert ein Text, in dem der zeitgenössische Chronist Saxo Grammaticus den Aufbau des Tempels in der Burg Arkona beschreibt: "Das Heiligtum selbst war von zwei Einhegungen umschlossen. Die äußere, aus Wänden zusammengefügt, war mit einem purpurnen Dach bedeckt; die innere, auf 4 Pfosten gestützt, erglänzte statt der Wände durch Vorhänge; dieser Teil hatte außer dem Dach und dem wenigen Tafelwerk mit dem äußeren nichts gemein“. Sicher läßt sich nicht jedes Detail dieses Berichtes auf den Groß Radener Tempel übertragen. Der Vergleich offenbart aber so viele Übereinstimmungen, daß Saxos Text mit gewisser Vorsicht als Information über einen bestimmten Bauwerkstyp gelesen werden kann, dem auch der Tempel in Groß Raden zuzurechnen ist.

Das in Saxo Grammaticus` Text erwähnte "purpurne Dach" wird heute fast einhellig so interpretiert, daß es aus gefärbten Stoffbahnen bestand. Die beiden besonders langen Bohlen können also als Teil einer Stützkonstruktion verstanden werden, über die die Stoffbahnen gespannt waren. Eine Bespannung mit Stoffbahnen ist in Groß Raden aber vorerst nicht vorgesehen.